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Workshop

Europäische Regionen und die Zukunft der Soft Power Europas

In Kooperation mit der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Brüssel veranstaltete die AIA auf Initiative von AIA Fellow Stuart MacDonald einen Workshop zur Bedeutung der europäischen Regionen für die Zukunft von Europas Soft Power. In den Regionen sind wichtige Akteure wie Städtenetzwerke, kulturelle Einrichtungen, Universitäten und Innovationsökosysteme beheimatet, die über eine große Anziehungskraft verfügen und deren Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft wird. Die Koordinierung der verschiedenen Ebenen erfolgt oft nur ad hoc. Hier bietet die digitale Transformation der öffentlichen Diplomatie große Chancen, bringt aber auch neue Risiken mit sich – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der konfrontativer werdenden weltpolitischen Großwetterlage.

Vor diesem Hintergrund kamen unterschiedliche stakeholder, Institutionen, Forscher und politische Entscheidungsträger aus Nordrhein-Westfalen, EU-Institutionen und anderen europäischen Regionen zusammen. Stuart leitete den Workshop mit der aus seinen Studien hervorgehenden interessanten Beobachtung ein, dass Deutschland unter den von ihm untersuchten 25 Ländern das Land mit der größten Soft Power ist.

Auf dem ersten Panel wurde die Bedeutung regionaler Soft Power aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. Carolyn Rowe (Aston University) referierte zu den spezifischen Stärken der Regionen, Walter Zampieri (EACEA) und Michael Hörig (DAAD) sprachen über den Zusammenhang von Hochschulbildung und Wissenschaftsdiplomatie, Julia Sattler (Goethe-Institut, Brüssel) brachte die Perspektive auf Nationale Kulturinstitute und unabhängigen Einrichtungen ein und Corneliu Bjola (Universität Oxford) warnte vor den dunklen Seiten von soft power, die die Künstliche Intelligenz mit sich bringt.

Im Mittelpunkt des zweiten Panels standen dann Ideen und Vorschläge, wie ein kohärenterer und wirksamerer Ansatz der EU aussehen könnte. Bastien Revel vom Europäischen Ausschuss der Regionen brachte die institutionelle Perspektive der EU ein,  Christine Wilson vom British Council führte die Sicht der Kulturinstitute aus, bevor Hendrik Ohnesorge (Universität Bonn) einige key-findings seiner jüngst erschienen Studie zu soft power vorstellte.

In den Diskussionen wurde immer wieder die Bedeutung von soft power unterstrichen, aber gleichzeitig betonten insbesondere die Praktiker aus den Kultur- und Bildungsinstitutionen, dass sie den Begriff in der Außendarstellung nicht verwenden, sondern lieber von kultureller Diplomatie oder kultureller Bildung sprechen. Weiterhin wurde mehrfach deutlich, dass soft power und hard power nicht als zwei einander ausschließende Konzepte betrachtet werden sollten. Science diplomacy als globales öffentliches Gut wird inzwischen auch von der Europäischen Kommission offiziell anerkannt und gefördert. Mehrere Teilnehmer wiesen darauf hin, dass die derzeitige Überarbeitung der EU-Politik eine zeitlich begrenzte Chance bietet. Regionale Akteure, die über den Ausschuss der Regionen und ihre Vertretungen in Brüssel tätig sind, können koordinierte Positionen vorantreiben, um strukturierte Konsultationsrechte zu erreichen. Nicht zuletzt die erneuerten Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU schaffen weiteren Spielraum für gemeinsame Forschungsinitiativen, an denen auch dezentrale Partner und Universitäten aus dem Vereinigten Königreich beteiligt sind. Insbesondere die von AIA Fellow Stuart MacDonald vorangetriebene Initiative eines gemeinsamen Horizon Projects soll auch nach dem Workshop vorangetrieben werden. Eine ausführliche Synthese der Ergebnisse wird in Kürze im Rahmen eines AIA Policy Briefs veröffentlicht.