In Kooperation mit dem Bonn Center for Dependency and Slavery Studies (BCDSS), dem Center for Reconciliation Studies, und dem Global Heritage Lab der Universität Bonn fand am 11. März an der Academy of International Affairs NRW ein Workshop zu postkolonialen Perspektiven auf aktuelle politische Herausforderungen unter besonderer Berücksichtigung des Fallbeispiels Deutschland und Namibia statt. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand das wissenschaftliche Werk des deutsch-namibischen Politikwissenschaftlers Henning Melber und seiner jüngsten Publikationen.
Henning Melber begann seine Ausführungen mit der Feststellung, dass er seit 35 Jahren nicht mehr in Deutschland lebe, aber dennoch das Wagnis eingegangen sei, ein Buch über die langen Schatten des deutschen Kolonialismus in der Gegenwartskultur zu schreiben. Anders als in anderen Staaten mit kolonialer Vergangenheit wie UK und Frankreich sei das Thema in Deutschland noch immer kaum präsent. Er diagnostizierte insbesondere in der Politik eine koloniale Amnesie. Sein Buch enthalte streng genommen kein neues Wissen, sondern kompiliere vielfältiges Wissen und Literatur, die eigentlich existiere, aber noch nicht die gebührende Aufmerksamkeit erhalte. Nach seinem Impuls gab es eine engagierte Debatte über die deutsche Erinnerungspolitik.
Themen waren unter anderem der selbstempfundene Exzeptionalismus deutscher Erinnerungskultur mit Blick auf die Shoah und wie die darin zum Ausdruck kommende spezifische Haltung den Blick für eine breite gesellschaftliche Aufarbeitung der Kolonialvergangenheit verstellt. Auch der Begriff und das Konzept von Versöhnung wurde intensiv problematisiert. Henning Melber plädierte vor allem für Bewusstwerdung und die Fähigkeit zur Empathie. In einem zweiten Panel am Nachmittag waren insbesondere Master und PhD Studierende eingeladen, ihre Perspektiven einzubringen. Hier wurden zwei Texte von Henning Melber intensiv diskutiert. Intensiv wurde über den Begriff des Genozids gesprochen, wie sich dieser definieren lässt, was als Genozid verstanden werden kann und wie dies mit anderen Diskursen verbunden ist. Auch die Frage, wie genau man eine Entschuldigung artikuliert und wie dies in offiziellen staatlichen Verträgen zum Ausdruck gebracht werden kann, waren Themen der Debatte.



