Adiatu Aliru Abiodun setzt sich umfassend mit der ambivalenten Rolle der europäischen Finanzierungsmechanismen im Verhältnis zwischen der Europäischen Union (EU) und der Afrikanischen Union (AU) auseinander. In seiner Projektvorstellung im AIA Colloquium arbeitete er heraus, dass die von der EU bereitgestellten Förderinstrumente einerseits maßgeblich dazu beigetragen hätten, regionale Integrationsprozesse in Afrika zu unterstützen und kurzfristige politische sowie institutionelle Fortschritte zu ermöglichen. Durch finanzielle Unterstützung konnten zahlreiche Programme zur Förderung von Frieden, Sicherheit, Governance und wirtschaftlicher Zusammenarbeit umgesetzt werden. Diese Maßnahmen stärkten die Handlungsfähigkeit der AU in bestimmten Politikfeldern und förderten die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten. In diesem Sinne haben europäische Finanzierungsmechanismen einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung und Weiterentwicklung regionaler Strukturen auf dem afrikanischen Kontinent geleistet. Andererseits unterstrich Adiatu Aliru Abiodun aber auch, dass dieselben Finanzierungsstrukturen langfristig eine problematische Abhängigkeit nach sich ziehen.
Die starke finanzielle Asymmetrie zwischen der EU und der AU führt dazu, dass zentrale Aktivitäten und Programme der AU in erheblichem Maße von externen Geldgebern abhängig bleiben. Dadurch entstehen strukturelle Einschränkungen für die eigenständige Gestaltung politischer Prioritäten und Strategien. Obwohl die EU die AU auf normativer und politischer Ebene als bedeutenden internationalen Akteur anerkennt und ihre Rolle in multilateralen Prozessen ausdrücklich unterstützt, bleibt die tatsächliche Handlungsmacht der AU durch ihre finanzielle Abhängigkeit begrenzt. Die Ergebnisse der Studie bestätigen somit die Annahme, dass eine hohe Anerkennung von Actorness nicht zwangsläufig mit einer entsprechenden empirischen Agency einhergeht. Vielmehr wird die Fähigkeit der AU, autonom zu handeln und eigene politische Ziele unabhängig zu verfolgen, durch die bestehenden Finanzierungsverhältnisse strukturell beeinträchtigt. Vor diesem Hintergrund unterstrich Adiatu Aliru Abiodun, dass die Verwirklichung einer echten strategischen Autonomie Afrikas einen grundlegenden Wandel der gegenwärtigen Finanzierungsstrukturen erfordert. Langfristig muss die AU ihre finanzielle Eigenständigkeit stärken und die Abhängigkeit von externen Gebern überwinden, um ihre politischen und wirtschaftlichen Entwicklungsziele selbstbestimmt verfolgen zu können. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die Umsetzung der Agenda 2063 von zentraler Bedeutung. Die Agenda verfolgt das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung Afrikas, die auf afrikanischer Eigenverantwortung, Selbstbestimmung und Handlungsmacht basiert. Solange jedoch eine ausgeprägte fiskalische Abhängigkeit besteht, bleibt die Erreichung dieser Ziele gefährdet. Finanzielle Eigenständigkeit stellt daher eine wesentliche Voraussetzung dar, um die in der Agenda 2063 formulierte Vision eines selbstbestimmten und nachhaltig entwickelten Afrikas erfolgreich umzusetzen.




