AIA-Fellow Summar Iqbal Babar gab am Center for Development Reserach (ZEF) der Universität Bonn eine Public Lecture zum Kartarpur-Korridor. Der Kartarpur Korridor ist ein visa-freier Pilgerweg zwischen Indien und Pakistan, der zwei bedeutende Sikh-Heiligtümer verbindet. Er führt über knapp 4–4,7 km vom indisch-pakistanischen Grenzpunkt und ermöglicht es Sikh-Pilgern aus Indien, ohne klassischen Visumsprozess das Heiligtum zu besuchen, indem sie lediglich ein Electronic Travel Authority (ETA)-Dokument beantragen. Der Korridor galt bei seiner Eröffnung 2019 als ein Symbol für Frieden und interreligiösen Dialog zwischen Indien und Pakistan.
Indiens Premierminister verglich das Projekt mit dem Fall der Berliner Mauer als Zeichen des Vertrauens. Summar Babar arbeitete heraus, inwiefern der Kartarpur-Korridor als transformatives Modell für translokale und subnationale Diplomatie zwischen Indien und Pakistan zu verstehen ist. Dabei betonte er insbesondere die über Staatsgrenzen hinweg reichenden gemeinsamen religiösen und kulturellen Traditionen, die aus seiner Sicht eine Basis für zwischenmenschliche Beziehungen darstellen. Ungeachtet der angespannten Situation auf staatlicher Ebene sieht er darin ein Potential für Frieden. Aus seiner Sicht ist der Kartarpur-Korridor weit mehr als nur ein physischer Weg. Er stelle aus seiner Sicht eine Methode dar – ein lebendiges Zeugnis für Diplomatie, die durch gemeinsame Erinnerung. Dadurch stelle der Korridor auch traditionelle staatszentrierte Ansichten in Frage und zeige auf, dass Frieden tatsächlich von unten aufgebaut und von innen heraus aufrechterhalten werden kann.