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Fellow Kolloquium

Der Kartarpur-Korridor: Grenzüberschreitendes Kulturerbe

„Frieden beginnt nicht immer mit Verträgen, manchmal beginnt er mit Grenzüberquerungen.“

In seinem Kolloquium untersuchte AIA-Fellow Summar Iqbal Babar den Kartarpur-Korridor als eine Form der friedensfördernden Infrastruktur zwischen Indien und Pakistan. Der 2019 eingerichtete translokale Korridor ermöglicht es Pilgern und Touristen, die Grenze zu überqueren, um Sikh-Schreine in einer ansonsten stark militarisierten Region zu besuchen. Der Erfolg des Kartarpur-Korridors bleibt eine Anomalie. Babar zufolge liegt der Grund für seine Wirksamkeit in seiner Systematik, die Mobilität institutionalisiert. Er argumentiert, dass das gemeinsame religiöse und kulturelle Erbe und Gedächtnis genutzt werden können, um das Trauma der Trennung der Punjab-Region seit 1947 zu bewältigen. Die alltägliche Mobilität fördert Begegnungen, die den „Anderen” menschlicher machen und ein gemeinsames Identitätsgefühl kultivieren. Auf diese Weise fungieren die Sikh-Schreine und der Kartarpur-Korridor nicht nur als Kulturerbestätten, sondern auch als Orte der Versöhnung und der Friedensförderung „von unten” (bottom-up).