David Brandon Smith arbeitet im Rahmen des Projekts „Decolonizing Postcolonialism“ zur Rolle der Kirchen im Unabhängigkeitskampf Namibias an der Goethe-Universität Frankfurt. In seinem Vortrag, der in gewisser Weise an die Abendveranstaltung mit Henning Melber vor wenigen Wochen an der Akademie anschloss, gab er den Fellows Einblicke in sein Forschungsprojekt. Neben dem eigentlichen Fallbeispiel ging er dabei auch auf den von ihm verfolgten Ansatz der „pluralistischen Diplomatie“ ein. Dieser fügte sich wunderbar in das Jahresthema der Akademie ein, die im Rahmen ihrer Forschungsaktivitäten zur „sub-national diplomacy“ ebenso nach der Rolle von weiteren Institutionen und Akteuren außerhalb des klassischen Nationalstaats in der Diplomatie fragt.
Namibia ist in diesem Kontext ein besonders interessantes Fallbeispiel, da es das einzige afrikanische Land mit einer lutheranischen Mehrheit ist. Da auch die katholische Kirche sehr präsent ist, sind die Kirchen in Namibia die größten nicht staatlichen Institutionen, die für die Unabhängigkeitsbewegungen in Namibia eine wesentliche Rolle spielten. Entlang diverser Quellen aus verschiedenen Archiven und gestützt auf viele Zeitzeugenaussagen in selbst durchgeführten oral history Interviews machte David Brandon Smith deutlich, inwiefern die Kirchen als Vermittler und Schauplatz im namibischen Unabhängigkeitskampf fungierten. Im sich anschließenden Austausch mit den Fellows wurden sowohl inhaltliche und methodische Aspekte wie auch die Frage der Positionalität diskutiert. Über allem stand die zentrale Frage nach den Verbindungen zwischen Politik und Religion.