Im Rahmen des AIA Fellow Colloquiums trug Christian Bueger vor. Er gab zunächst einen Überblick über seine Forschungsinteresse und ging darauf ein, wie sich sein Forschungsprofil im Laufe der Zeit entwickelt hat. Danach ging er spezifisch auf eines seiner momentanen Projekte ein, in dessen Zentrum multinationale Militärtreffen (MMGs) stehen. Ausgehend von diversen Einladungen zu solchen Treffen, die er im Laufe der Jahre als Experte erhalten hat, entwickelte er aus autoethnografischen Überlegungen und soziologischen Beobachten die Idee, dies zu einem eigenen Forschungsthema zu machen.
Unter MMGs sind regelmäßige Treffen zwischen Militärs aus mindestens drei Staaten zu verstehen. Solche Treffen leben von ritualisierten Praktiken und informellen Regeln, aus denen sich viel herauslesen lässt. In der Makroperspektive lassen sich wertvolle Erkenntnisse für die Funktionsmechanismen der internationalen Politik gewinnen. Gerade Militärs sind nach der Beobachtung von Christian Bueger keine passiven Werkzeuge von Staaten, sondern relativ autonome Akteure, die durch alltägliche, oft informelle internationale Interaktionen (z. B. Übungen, Symposien, Ausbildung, Informationsaustausch) aktiv zur Herstellung („ordering“) internationaler Ordnung beitragen. Gerade diese Veranstaltungen schaffen Netzwerke und Vertrauen und können selbst in Zeiten geopolitischer Spannungen stabilisierend wirken.
Die Praxis transnationaler Militärkooperation ist bislang vergleichsweise wenig erforscht, vor allem aus einer theoriegeleiteten Perspektive. Im sich anschließenden Austausch mit den Fellows wurden Themen wie die Rolle der Waffenindustrie bei solchen Treffen und die bislang mangelnde mediale Berichterstattung zu diesen Treffen diskutiert. Darüber hinaus tauschte man sich auch zu wissenschaftsethischen und methodischen Fragen aus, die sich u.a. auf die Rolle als teilnehmende Beobachter bezogen, die in vielen weiteren Fellowprojekten ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.