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Fellow Kolloquium

Im Wettstreit um die Zukunft. Industriepolitik, strategische Autonomie und die Rivalität zwischen den USA und China in Brasilien und Deutschland

AIA NRW Fellow Filipe Mendonça stellte im AIA Colloquium sein Forschungsprojekt zum außenpolitischen Handlungsspielraum Brasiliens im Kontext globaler Machtkonflikte, insbesondere im Verhältnis zu den USA und China, vor. Ausgehend von einem Buch, dass er zur US-amerikanischen Handelspolitik veröffentlicht hat, gab er Einblicke in seine Forschungen. Seine Leitfragen lauten: Wie hat sich die Verschärfung des technologischen Wettbewerbs zwischen den USA und China auf die Industrie- und Technologiepolitik Brasiliens und Deutschlands ausgewirkt? Welche Rolle spielen regionale und internationale Institutionen dabei, diesen Druck zu mildern oder zu verstärken? Er kritisierte zunächst die ehemalige Regierung Jair Bolsonaros, der sich ideologisch stark an den USA orientierte und keine unabhängige Außenpolitik verfolgte. Gleichzeitig zeigte sich ein Widerspruch zwischen dieser ideologischen Nähe zu den USA und Brasiliens wirtschaftlicher Abhängigkeit von China.

Der aktuelle Präsident Luiz Inácio Lula da Silva wiederum sah sich vor allem mit der aggressive Zollpolitik der USA unter Donald Trump konfrontiert. Die von Trump verhängten Zölle sollten vor allem geopolitischen Druck ausüben, um Brasilien enger an die USA zu binden. Lula reagierte mit einem dreigleisigen Ansatz aus Diplomatie, rechtlichen Gegenmaßnahmen und der Unterstützung durch die brasilianische Wirtschaft. Trotz gewisser politischer Handlungsspielräume bleibt Brasilien wirtschaftlich stark vom US-geführten System abhängig, wodurch seine Autonomie begrenzt ist. Anschließend wurde diskutiert, dass Brasilien zwar versucht, seine außenpolitische Eigenständigkeit auszubauen, bis auf Weiteres aber von den erheblichen strukturellen Abhängigkeiten von den globalen Großmächten abhängig bleiben wird.

Mit Blick auf das Fallbeispiel Deutschland hielt er fest: Deutschlands industrielle Stärke und sein bisheriges Wirtschaftsmodell steht enorm unter Druck, ohne dass bereits ein klarer Übergang zu einem neuen Paradigma erkennbar wäre. Die zunehmende Orientierung an Sicherheitsinteressen ermöglicht zwar kurzfristig politisches Handeln, führt jedoch langfristig zu strukturellen Verzerrungen, etwa durch die Bevorzugung sicherheitsrelevanter Branchen wie Rüstung und Halbleiter gegenüber sozialen und zivilen Sektoren. Gleichzeitig werden Ressourcen stärker in großen Unternehmen gebündelt, wodurch Wettbewerbsfähigkeit zunehmend hinter sicherheitspolitischen Prioritäten zurücktritt.