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Fellow Kolloquium

Antikoloniale Kämpfe und die Politik der Organisation struktureller Ungerechtigkeiten: Kritik an der „Declaration on the Right to Development“

Im AIA Fellow Colloquium stellte Heloise Weber, Associate Professor an der School of Political Science and International Studies der University of Queensland, Australia, ein aktuelles Paper vor, an dem sie gerade arbeitet und das in ein größeres Buchprojekt eingebettet ist. Sie setzt sich mit der United Nations Declaration on the Right to Development (UNDRD) auseinander, die 1986 verabschiedet wurde und stellt diese in den historischen Kontext des politischen Projekts der internationalen Entwicklung nach 1945. Dieses Projekt entstand inmitten antikolonialer Kämpfe für gerechtere soziale und wirtschaftliche Beziehungen. Für viele Analysten und Praktiker steht die UNDRD für eine progressive Entwicklungsagenda, was sich in der Unterstützung für aktuelle Bestrebungen widerspiegelt, sie in eine Konvention umzuwandeln. Heloise zufolge stellt die UNDRD vielmehr einen Höhepunkt der Versuche dar, strukturelle Ungerechtigkeiten zu festigen, die die langjährigen Kämpfe der postkolonialen Staaten untergraben. Sie zeigt auf, dass die Erklärung der Vereinten Nationen über das Recht auf Entwicklung von 1986 und ihr Bekenntnis zu einer „New International Economic Order (NIEO)” in starkem Kontrast zu den politischen Sensibilitäten stehen, die der New International Economic Order (NIEO) des Third Worldism der 1970er Jahre zugrunde liegen. Diese Überlegungen nimmt sie zum Anlass, ganz grundsätzlich zu unterstreichen, warum eine kritische Analyse der Prozesse und Rechtfertigungen der Organisation struktureller Ungerechtigkeit unerlässlich ist, um die koloniale Logik des „Rechts auf Entwicklung” besser zu verstehen. Ein solches Verständnis kann auch als Grundlage für postkoloniale Wiedergutmachung und Umverteilung dienen, während gleichzeitig auf den Wiederaufbau einer gemeinsamen Menschheit hingearbeitet wird, die auf der Verpflichtung zu grundlegenden Rechten für alle Menschen basiert, in Würde zu leben. In diesem Zusammenhang wurde auch die aktuelle Welthandelspolitik sowie die Agenda 2030 kritisch von der Fellow Runde besprochen, da im öffentlichen Diskurs oft übersehen wird, dass diese in vielerlei Hinsicht mehr von neoliberalen Rahmungen als vom Gedanken gerechter Umverteilung geprägt sind.