Climate Justice and Structural Asymmetries: Reimagining Global Cooperation through Climate Finance in Sub-Saharan Africa
AIA Fellow Fadzei Chipato stellte ihr Forschungsprojekt zur Bedeutung von Klimafinanzierung für Klimagerechtigkeit, Vertrauen und internationale Kooperation mit besonderem Fokus auf das südliche Afrika vor. Ausgangspunkt ist das Prinzip der „Common but Differentiated Responsibilities“ (CBDR): Industrieländer tragen aufgrund ihrer historischen Emissionen eine größere Verantwortung für den Klimawandel, während viele Entwicklungsländer deutlich weniger emittiert haben, aber besonders stark von den Folgen betroffen sind. Klimafinanzierung soll daher nicht als freiwillige Entwicklungshilfe, sondern als Ausdruck historischer und politischer Verantwortung verstanden werden.
Für das südliche Afrika ist diese Frage besonders relevant. Die Region trägt nur wenig zu den globalen Emissionen bei, ist jedoch stark von Dürren, Überschwemmungen, Zyklonen, steigenden Temperaturen, Ernährungsunsicherheit und Energieknappheit betroffen. Gleichzeitig begrenzen Armut, Verschuldung, geringe institutionelle Kapazitäten und die Abhängigkeit von Landwirtschaft die Möglichkeiten, sich an den Klimawandel anzupassen. Klimafinanzierung ist deshalb entscheidend für Anpassung, Resilienz und den Umgang mit Loss and Damage. Fadzei Chipato analysiert drei zentrale Finanzierungszusagen: das auf der COP15 vereinbarte Ziel von jährlich 100 Milliarden US-Dollar, die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen sowie den auf der COP27 eingerichteten Loss and Damage Fund. Ein zentrales Argument von Fadzei Chipato lautet, dass Klimafinanzierung eng mit der traditionellen Entwicklungshilfe-Architektur verbunden ist. Dadurch können Geberländer weiterhin bestimmen, wie und unter welchen Bedingungen Finanzmittel eingesetzt werden. Dies kritisiert sie als Fortsetzung historischer Machtasymmetrien und kolonial geprägter Abhängigkeiten. Klimafinanzierung kann somit bestehende Ungleichheiten reproduzieren, obwohl sie eigentlich Klimagerechtigkeit fördern soll. Diese strukturellen Probleme beeinflussen das Vertrauensverhältnis zwischen Globalem Norden und Süden.
Fadzei Chipatos Untersuchung identifiziert eine Forschungslücke dahingehend, dass bisher vor allem globale Finanzströme und institutionelle Strukturen untersucht wurden, während die Perspektiven von Klimapolitikakteuren im südlichen Afrika weniger berücksichtigt sind. In ihrem Projekt untersucht sie daher, wie diese Akteure strukturelle Ungleichheiten wahrnehmen und welche Auswirkungen sie auf Klimagerechtigkeit, Vertrauen und Kooperation haben.