Why the Trump Administration is Redefining American Power and Purpose
Dieses Paper analysiert die außenpolitische Ausrichtung der zweiten Trump-Administration. Es wird argumentiert, dass sie keinen Reformversuch, sondern eine grundlegende Abkehr von der seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden liberalen internationalen Ordnung darstellt. Entgegen anfänglicher Annahmen verfolgt die Regierung nicht das Ziel, die bestehende Ordnung effizienter oder kostengünstiger zu gestalten, sondern betrachtet die internationale Ordnung als zunehmend irrelevant. Außenpolitik wird vielmehr als Instrument eines innenpolitischen, explizit anti-liberalen Projekts verstanden, das auf soziale Hierarchien, traditionelle Rollenbilder und die Priorisierung eines kollektiv definierten „Gemeinwohls“ gegenüber individuellen Rechten abzielt. Zunächst wird die Entstehung und Logik der liberalen Nachkriegsordnung nachgezeichnet und aufgezeigt, wie diese wirtschaftliche Globalisierung, militärische Allianzen und liberale Werte miteinander verband. Anschließend die drei außenpolitischen Fraktionen innerhalb der Trump-Administration beschrieben: Primazisten, Priorisierer und „America-First“-Anhänger, wobei letztere – verkörpert durch Trump und insbesondere Vizeprä-sident J.D. Vance – zunehmend dominieren. Der Aufstieg des Anti-Liberalismus führt zu Deglobalisierung, selektiven bilateralen Handelsbeziehungen, einem Rückzug aus Allianzen und einer stärker auf Heimatschutz fokussierten Militärstrategie führt. Besonders bemerkenswert ist dabei die mögliche Entschärfung der Konfrontation mit China, da globale Führungsansprüche bewusst aufgegeben werden. Insgesamt arbeitet die Analyse die tiefgreifende Neudefinition amerikanischer Macht, Identität und außenpolitischer Zielsetzung heraus, deren Umsetzung stark von innenpolitischen Dynamiken und Trumps persönlichem Verhalten abhängig ist.