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Podiumsdiskussion

Von der Arktis bis zur Straße von Hormus

Geopolitik zwischen Klimawandel und globaler Neuordnung

Als Kooperationsveranstaltung zwischen Akademie und IDOS fand eine öffentliche Abendveranstaltung statt, die sich mit dem komplexen Zusammenspiel zwischen Geopolitik und ökologischen Veränderungen auseinandersetze. Diese war Teil der Aktion „Mai der Wissenschaft“ der Stadt Bonn. Im Mittelpunkt standen dabei zwei aktuelle Krisenregionen und geopolitische Hotspots: die Arktis und der Nahe Osten. Die Veranstaltung fand im Anschluss an einen Fellow Workshop am gleichen Tage statt und hatte zum Ziel, die wissenschaftliche Expertise der Workshopteilnehmer einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Nach einer Begrüßung durch Manuel Becker von der Akademie gab AIA Fellow Cécile Pelaudeix zu Beginn einen Überblick über die zentralen Diskussionsthemen und Ergebnisse des vorangegangenen Workshops.

Im Anschluss daran diskutierten Dorothee Wehrmann vom IDOS und AIA Fellow Christian Bueger unter der Moderation von Charlotte Gehrke vom Alfred Wegener Institut der Universität Oldenburg, wie sich verändernde Handelswege und regionale Spannungen sowie die Klimakrise die globalen Machtverhältnisse neu gestalten. Der Klimawandel verändert nicht nur die Umwelt, sondern verschiebt auch globale Machtverhältnisse. Als wesentlicher Faktor für die gestiegene Bedeutung der beiden Beispielsregionen Arktis und Naher Osten wurde vor allem das Potential des Abbaus der dort vorhandenen Bodenschätze herausgearbeitet. In der Arktis entstehen durch schmelzendes Eis neue Handelsrouten und Zugang zu Ressourcen, der geopolitische Interessen verstärkt, wie u.a. in der Grönland-Debatte zu beobachten war. Gleichzeitig bleibt die Straße von Hormus ein zentraler Engpass für den weltweiten Ölhandel und damit für die globale Wirtschaft. Die Besonderheit im Vergleich zu anderen Wasserstraßen liegt vor allem darin, dass es keine Möglichkeit gibt, sie zum umfahren. Es wurde deutlich, wie eng Energie, Ressourcen, Handelswege und Sicherheitsinteressen miteinander verknüpft sind und wie stark sie die internationale Politik prägen.

Kontrovers wurde die Rolle des Völkerrechts diskutiert. Einig war man sich aber, dass vorschnelle Diagnosen, dieses sei am Ende, zu kurz greifen. Vielmehr wird es nach wie vor von Staaten lebendig und kontrovers diskutiert. Nach wie vor ist es in der Lage, durch gemeinsame Regeln und Abkommen Verlässlichkeit zu schaffen und auf diese Weise dazu beizutragen, Konflikte zu vermeiden oder friedlich zu lösen. Weiterhin wurde vor einer Verengung der Perspektive auf einige wenige Staaten gewarnt und eine Weitung des Blicks auf die Vielzahl der Akteure in der internationalen Staatenwelt empfohlen. Immer wieder wurden auch Perspektiven aufgezeigt, wie internationale Zusammenarbeit trotz wachsender Spannungen gelingen kann.