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Fellows

Kritische Mineralien im Kontext tiefgreifender struktureller Veränderungen

Herausforderungen für Europa und Auswirkungen auf Nordrhein-Westfalen

AIA Fellow Cécile Pélaudeix traf sich zu einem Fachgespräch mit Mitarbeitern der von Anna Haas geleiteten Gruppe Europa und Außenwirtschaft im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. Unter der Moderation des Referatsleiters Björn Schubert hielt Cécile Pelaudeix nach einer kurzen Vorstellung der Akademie durch unsere Direktorin Mayssoun Zein Al Din einen Impulsvortrag zum Thema kritische und strategische Rohstoffe. Dieses Thema ist deswegen von besonderer Bedeutung, da diesen Rohstoffen eine hohe wirtschaftliche Bedeutung zukommt und mit ihnen auch ein enormes Versorgungsrisiko verbunden ist. Sie spielen eine Schlüsselrolle für den ökologischen und digitalen Wandel, in der Luft- und Raumfahrt und nicht zuletzt auch beim Thema Verteidigung.

Die Nachfrage nach den kritischen Rohstoffen und Seltenen Erden ist weltweit enorm gestiegen. Bis 2050 wird ein Anstieg um das bis zu 12-fache an Seltenen Erden und das 60-fache etwa bei Lithium erwartet. Bei der Produktion hat sich ein internationales Oligopol herausgebildet, bei der vor allem der Kongo, Indonesien und nicht zuletzt China eine zentrale Rolle spielen. Der CRM Act von 2024 stellt auf EU-Ebene einen Wendepunkt dar: Bis 2030 soll die EU 10 Prozent der Rohstoffe im eigenen Gebiet fördern, 40 Prozent verarbeiten und 25 Prozent recyceln. Kein einzelnes Drittland darf mehr als 65 Prozent eines bestimmten strategischen Rohstoffs liefern und es sollen 47 strategische Projekte in der EU sowie dreizehn weitere in Drittländern gefördert werden.

Cécile Pelaudeix betonte insbesondere, wie bedeutsam die Akzeptanz in den jeweiligen Bevölkerungen für diese Politik ist, denn insbesondere in Staaten wie Frankreich, Portugal und auch in einigen skandinavischen Staaten regt sich bereits Widerstand gegen eine Förderung. Im Lichte dessen plädierte sie für eine Abkehr vom „naiven Multilateralismus“ hin zu einem „geoökonomischen Realismus“. Dieser Frage geht Cécile Pelaudeix auch im Rahmen ihres Projekts an der Akademie nach.

In der Diskussion mit den Mitarbeitern des Ministeriums lag ein besonderer Fokus natürlich auf der Rolle Nordrhein-Westfalens. Das Land hat bereits 2021 einen Bericht zur Verringerung der Rohstoffabhängigkeit durch den Aufbau einer stärker kreislauforientierten Industriegesellschaft veröffentlicht. Wie die Ausführungen zum CRM Act gezeigt haben, ist eine reine Kreislaufstrategie jedoch nicht ausreichend für eine stärkere Resilienz im Bereich der kritischen und strategischen Rohstoffe. Weitere zentrale Themen des Austausches waren auch die Schnelligkeit und die Größe der chinesischen Investitionen, die Bedeutung der deutsch-französisch-italienischen Achse sowie die Notwendigkeit einer besseren Kommunikation dieser Zusammenhänge für die breitere Öffentlichkeit.