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Hannover Messe: NRW meets Brazil

Nordrhein-Westfalen (NRW) steht im Zentrum der Herausforderung der Energiewende in Deutschland. Als produktivste Industrieregion des Landes ist NRW für etwa ein Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands verantwortlich, wobei allein der Braunkohlesektor jährlich rund 75 Millionen Tonnen CO₂ verursacht. Die Dekarbonisierung der Stahl-, Chemie- und Fertigungsindustrie des Landes ist daher untrennbar mit den nationalen Klimaneutralitätszielen Deutschlands verbunden. Um diese Anforderungen zu erfüllen, ist der Zugang zu grünem Wasserstoff und erneuerbaren Energien in großem Maßstab erforderlich, was wiederum strategische internationale Partnerschaften erfordert.

Brasilien hat sich als wichtigster Partner Nordrhein-Westfalens bei dieser Transformation herauskristallisiert. Im Oktober 2025 unterzeichnete das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen eine Absichtserklärung mit der Regierung des Bundesstaates Ceará und dem Industrieverband von Ceará (FIEC), in der die Zusammenarbeit in den Bereichen erneuerbare Energien, grüner Wasserstoff, industrielle Innovation, Logistik und Qualifizierung von Arbeitskräften formell festgeschrieben wurde. Der Energiekorridor von Ceará, der am Hafen von Pecém verankert ist und über Rotterdam und Duisburg mit europäischen Industriezentren verbunden ist, ist eine der derzeit am weitesten fortgeschrittenen Versorgungsrouten für grünen Wasserstoff. Brasiliens Rechtsrahmen für grünen Wasserstoff (Lei 14.948/2024) und vom Kongress genehmigte Fördermittel in Höhe von rund 18 Milliarden R$ festigen die Position von Ceará als vorrangiger Herkunftsort für die von der NRW-Industrie benötigten Moleküle weiter. Wie die Diskussionsteilnehmer der Veranstaltung bestätigten, ist der Infrastrukturkorridor bereit; die Sicherung von Abnahmeverpflichtungen auf beiden Seiten des Atlantiks ist nun der entscheidende nächste Schritt.

Bei der Eröffnung der Networking-Veranstaltung „NRW meets Brazil“, die am 22. April 2026 auf der Hannover Messe stattfand, betonte Anna Haas vom Wirtschaftsministerium NRW, dass die Beziehungen zwischen NRW und Brasilien von einer politischen Absicht zur operativen Realität geworden seien. Die Absichtserklärung mit Ceará aus dem Jahr 2025 habe eine konkrete Grundlage für die Zusammenarbeit in strategischen Schwerpunktbereichen geschaffen, und das bevorstehende Inkrafttreten des EU-Mercosul-Abkommens am 1. Mai 2026 eröffne weitere strukturelle Chancen für den bilateralen Handel und Investitionen. Ihrer Ansicht nach ist Brasilien ein unverzichtbarer Partner für die Diversifizierung der deutschen Energieversorgung sowohl auf Bundes- als auch auf subnationaler Ebene, und NRW sei in einer einzigartigen Position, diese Partnerschaft in konkrete industrielle Ergebnisse umzusetzen.

Unser neuer Fellow Filipe Mendonça nahm auf Einladung des Wirtschaftsministeriums NRW an der Hannover Messe teil, wo er Interviews führte und Feldforschung zur deutsch-brasilianischen Wirtschaftspartnerschaft betrieb.