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Fellow Kolloquium

Die Nutzung von KI in internationalen Klimaverhandlungen

Im Rahmen des AIA-Kolloquiums stellte Yi hyun Kang ihre neuesten Erkenntnisse zum Einsatz künstlicher Intelligenz im Kontext der internationalen Klimadiplomatie vor. Sie berichtete über ihre kürzlich abgeschlossene Feldforschung, die sie während der 64. Sitzung der Nebenorgane der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC SB 64) in Bonn durchgeführt hatte. Neben der Beobachtung der Verhandlungen führte sie 17 Leitfadeninterviews mit Delegierten, Vertretern von Nichtregierungsorganisationen, Entwicklern von KI-Anwendungen sowie Vertretern indigener Gruppen und Jugendorganisationen durch. Unter anderem untersuchte sie zunächst die heterogene und komplexe Akteurslandschaft innerhalb der UNFCCC. Neben den Staaten, die sich in verschiedenen Verhandlungsgruppen und Koalitionen organisieren – wie beispielsweise die G77 und China, die Europäische Union oder die Allianz der kleinen Inselstaaten –, spielen zahlreiche nichtstaatliche Akteure wie Umwelt-, Wirtschafts-, Jugend- und Forschungsorganisationen eine wichtige Rolle.

Die Akkreditierung zu UNFCCC-Konferenzen, so stellte sie fest, fördere die Bildung internationaler Kooperationsnetzwerke. Für ihr Projekt definierte Yi hyun Kang KI als maschinengestützte Systeme, die in der Lage sind, auf der Grundlage von Eingaben Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen zu generieren. In der Diplomatie verspricht insbesondere generative KI, die Belastung durch zeitaufwändige Aufgaben wie die Auswertung umfangreicher Dokumente oder die Erstellung von Zusammenfassungen zu verringern. Gleichzeitig diskutieren Forscher darüber, ob KI selbst in Zukunft zu einem einflussreichen Akteur in internationalen Verhandlungen werden könnte. Die Interviews zeigten ein breites Spektrum an Meinungen zum Einsatz von KI. Einige Teilnehmer lehnten deren Einsatz grundsätzlich ab und betonten die Bedeutung der menschlichen Kommunikation sowie der sprachlichen und kulturellen Vielfalt.

Andere Befragte äußerten Skepsis hinsichtlich mangelnder Kontrolle, des Datenschutzes und möglicher Auswirkungen auf die Qualität zwischenmenschlicher Interaktionen. Immer wieder wurden Bedenken geäußert, dass die Teilnehmer einander weniger aufmerksam zuhören könnten, wenn KI den Inhalt von Gesprächen automatisch dokumentiert und zusammenfasst. Im Gegensatz dazu hoben andere Befragte die Chancen hervor, die die Technologie bietet. Insbesondere für Delegationen aus ressourcenarmen Ländern könnte KI dazu beitragen, Informationslücken zu schließen und die Teilnahme an komplexen Verhandlungen zu erleichtern. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass ein ungleicher Zugang zu solchen Tools bestehende Machtasymmetrien sogar noch verstärken könnte. In ihrem Fazit betonte Yi hyun Kang, dass KI in Klimaverhandlungen zunehmend zum Einsatz kommt. Auch wenn die Veränderungen bislang eher subtil waren, könnten sie langfristig die Arbeitsmethoden, Interaktionen und Machtdynamiken innerhalb der internationalen Klimadiplomatie beeinflussen. Weitere Beobachtungen und eingehende Untersuchungen sind daher erforderlich.